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Lehrerin Carina Bürger im Brenner-Basistunnel

Titelblatt JÖ. Heft 9. Mai 2023

Unsere Deutschlehrerin Carina Bürger war mit ihrer Lehrerkollegin Magdalena Huber im Brenner-Basistunnel.

Mit diesem Abenteuer gelangten die beiden Lehrerinnen auf das Titelblatt der Zeitschrift "JÖ - Jung Österreich". Magdalena Huber Berichtet darin von der Abenteuerreise unterm Berg.

"Der Tunnel, der Grenzen sprengt. Auf Abenteuerreise im Brenner Basistunnel

Mit 64 Kilometern wird erdie längste unterirdische Eisenbahnverbindungder Welt sein: der Brenner Basistunnel, kurz BBT. Unsere Reporterin Magdalena Huber ist für JÖ ins tiefe Tunnellabyrinthzwischen Nord- und Südtirol abgetaucht!

Es ist 11 Uhr. Ich bin aufgeregt. Normalerweise bin ich der „Auf dem-Berg-Typ“. Doch heute begebe ich mich „unter“ die Alpengipfel. An meiner Seite: Carina. Sie ist meine beste Freundin, liebt Bergwerke und hat deshalb die Sprengmeisterprüfung gemacht. Klar, dass sie sich wie ich brennend für den BBT interessiert. Als ich sie gefragt habe, war sie gleich Feuer und Flamme. Vor dem Start gibt es eine Sicherheitsunterweisung inklusive Ausrüstung: gelbe Gummistiefel, Sicherheitsweste, Lampe, Helm, Rucksack mit Sauerstoffgerät. Mit BBT-Projektleiter Christoph Waldhör und BBT-Pressesprecher Andreas Ambrosi fahren wir dann durch den Zufahrtstunnel Ahrental tief ins Massiv. Glück auf!

Je tiefer, desto wärmer

Im Fahrzeug, einem bequemen Multivan, steigen die Temperaturen, die Scheiben beschlagen. Das ist normal. Je tiefer wir unter die Oberfläche kommen, desto wärmer wird es. Der Zufahrtstunnel gleicht einerbreiten Landstraße. Lkw kommen uns entgegen. Sie liefern den Schuttder letzten Sprengung auf die Deponie an der Oberfläche. Wir aber setzen unsere Fahrt in den Erdschlund gebannt fort.

Erster Halt: Bitte aussteigen!

Jetzt befinden wir uns circa 400 Meter unter der Erdoberfläche. Mir ist warm. Alles ist hell beleuchtet, Baumaschinen flitzen herum. Pfützen und Schlamm zieren den Tunnelboden, die „Sohle“. Eine orange-gelbe Röhre über uns, die „Lutte“, sorgt fürdie Frischluftzufuhr im kompletten Tunnel.

Weiter Richtung Süden

Wir fahren im ersten Haupttunnel, der„Weströhre“, Richtung Süden. Hier werden die Personen- und Güterzüge mit an die 250 Kilometer pro Stunde nach Italien düsen. Aber noch ist es nicht so weit. Jetzt wird es dunkler, enger, holpriger. Ganz vorne, dort, wo gerade gesprengt wurde, steigen wir aus. Das Thermometer zeigt 22 Grad Celsius. Wir beobachten die Arbeiter und schwitzen allein vom Zuschauen unter unseren schweren Jacken. Die Männer, die hier schuften, sind „Mineure“ (sprich: Mi-nöre). Tief im Berg bohren sie, fahren mit schweren Geräten, bringen den Sprengstoff an und verlegen Zündschnüre und Sprengleitungen. Die entstandenen Tunnel sichern sie mit Beton und Stahl, damit bei dernächsten Sprengung nichts zusammenbricht. Im Schutt finde ich einen „Herzlstein“ aus Innsbrucker Quarzphyllit. Ein schönes Andenken!

Retour nach Innsbruck

Wir sind jetzt in der „Oströhre“, dem zweiten Haupttunnel. Andreas und Christoph zeigen uns einen fast fertigen Tunnelabschnitt. Die Wände sind hell und glatt mit Beton ausgekleidet. Links und rechts gibt es eine Art Gehsteig. Trennwände für einen Fluchtweg werden gerade aufgestellt. Die Gleise und das Beleuchtungssystem fehlen noch. Aber mich erinnert diese Röhre schon sehr an bestehende Tunnel, wie auch du sie kennst. Aber das, sagt Christoph, wird noch dauern. „Erst“ 2032 soll der BBT fertig sein.

Plötzlich Gegenverkehr! Wir müssenden Rückwärtsgang einlegen. Nacheinem abenteuerlichen Umkehrmanöver treten wir die Reise zurück andie Oberfläche an. Wir sind froh, dasswir so ortskundige Experten an unserer Seite haben. Ohne Andreas und Christoph wären wir in dieser Unterwelt schon längst verloren gegangen.

Blendende Tunnelwelten

Nach zwei Stunden unter Tage kommen wir wieder ans Tageslicht. Ich fühle mich kurz geblendet. Die Männer, die hier je 8 Stunden im Schichtbetrieb arbeiten, erleben das täglich. Gearbeitet wird an Sonn- und Feiertagen genauso wie an normalen Werktagen, außer zu Weihnachten und Ostern. Alle sind mit Feuereiferdabei: Sie brennen für „ihren“ Brenner Basistunnel.

Für Carina und mich heißt es Abschied nehmen. Aber eins ist fix: Sobald der BBT in Betrieb geht, möchten wir bei den Ersten sein, die den Verbindungsweg durch die Alpen nehmen!

Und du? Willst du dir selbst einen Eindruck vom BBT verschaffen? Dann besuche die Megabaustelleauf dem Weg über den Brenner nach Italien oder beim Tirol-Urlaub. Wir, Carina und ich, haben uns außerdem noch die „Tunnelwelten“ in Steinach angeschaut. Hier gibt’s zahlreiche Stationen zum Mitmachen, Forschen und Entdecken. Im Railjet-Bahnsimulator kannst du dich als Lokführerin oder Lokführer ausprobieren. Und im Schautunnel darfst du auch ohne Sprengbefugnis für einen ordentlichen Knalleffekt sorgen!

Vor dem Museum sind wir dann nochauf „Günther“ gestoßen. Günther war eine Tunnelbohrmaschine. Derausgediente Riese stellte 2017 einen Weltrekord auf: 61 Meter „Tunnel“ in 24 Stunden! Der Bohrkopf, den du auf unserem Bild siehst, ist über 8 Meter hoch. Mit seinen an die 40 Schneiderollen bricht er das Gestein in kleinen „Chips“ aus. Der ganze Günther war über 200 Meter lang und hat 1800 Tonnen gewogen. Wie dieses Monster überhaupt in die Röhre gekommen ist? In Einzelteilen, und die wurden im Berg zusammengebaut: ein technisches Meisterstück!

Puh, das waren unheimlich viele Informationen! Uns schwirrt der Kopf. Und unsere Mägen knurren. Es ist vier Uhr Nachmittag. Andreas und Christoph wollen uns noch auf einen Kaffee einladen. Aber wir brauchen jetzt mehr. Wie richtige Bergleute. Prost, Mahlzeit!"

Quelle: Online-Ausgabe der Zeitschrift "JÖ" (JUNG ÖSTTERREICH), Ausgabe, Mai 2023

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung auf unserer Schulhomepage durch Frau Juen von der Redaktion in Innsbruck.